Gedankenschätze

An die Kleine

Jetzt wo du kleiner Mensch da sitzt, denke ich an alles, was sich verändert hat.
Die Dinge, die du vielleicht mal wissen wollen wirst, von dem Mann am Ende des Tisches, der dein Vater ist. Dass für dich genauso wie für mich manchmal verkehrte Welt ist. Der eine hier und du dort, getrennt und doch immer da.

Ich denke an dich, die du so groß mit Neugier und deiner Klugheit neben mir wächst.
Ich wünsche dir, dass du dieses Streben bewahrst. Dass du Kraft daraus ziehst. Die Sehnsucht umwandeln kannst und ganz bleibst. Dass du weißt, dass alles irgendwie gut ist.
Ich sitze hier vor dir, du halbgroßem Wunder und stelle mir vor, wie fern ich dir scheinen muss. Wie ein Zwischenmensch. Zerrissen zwischen dem neuen Leben und dem, was jetzt nur noch dir gehört. Fern von dem, was schon fast hinter mir liegt und, was ich doch behalten möchte, was ich so sehr vermisse. Ich beneide dich aufrichtig um das, was ich noch lernen muss loszulassen: einen Alltag, den du teilst, wo ich nur noch manchmal bin, der jetzt nur noch begrenzt zugänglich ist. Manchmal fühlt es sich an, wie wenn ich vor dem Fenster stehe und ab und zu durch das Glas Momente mit euch teile. Schmerzlich fällt mir auf, dass es mich manchmal noch einholt, dass ich jetzt meinen eigenen Alltag habe, alleine ohne euch. Auch, wenn ich weiß, dass ich in euren Herzen dabei bin. Manchmal scheinen eben diese so weit weg zu sein. Was für ein anstrengendes Alter, noch zurückzusehen und gleichzeitig die Zukunft von seinen Fähigkeiten überzeugen zu müssen. Wo ich doch weiß, dass es irgendwann nur noch darauf ankommt, sich selbst überzeugen zu müssen.

Und so verdoppeln sich meine Worte zu dir. Sind gleichzeitig an dich und an mich gerichtet.
Ich vervollständige Sätze und zerlege sie zugleich in kleine Bilder, um dir ein Gleichnis und zur selben Zeit ein Vorbild zu sein. Ich will, dass du weißt, dass du richtig bist mit all deinen Ängsten, deiner Klugheit und deiner Neugier, so unglaublich richtig. Und wie egoistisch, dass ich in dir verwirklicht sehen will, was ich selbst nicht gut kann. Und so sage ich nichts und weiß, dass das nun der Weg ist, den ich wahrscheinlich alleine gehen muss. Erwachsen will ich sein für dich und stark. Damit ich für dich ein Teil werde, den du immer wieder einfügen kannst, wann immer du mich brauchst.

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